Was KI als Lektor und Korrektor leistet

Hallo, Freundinnen und Freunde,

ich habe erstmals eine KI für Korrektur und Lektorat benutzt und möchte meine Erfahrung teilen. Die Firma literary highways wirbt mit „Lektorat und Korrektur für 89€“, sie nennt es „Professionelle Überarbeitung des Textflusses und grammatikalische Anpassungen“, diese liefert einen professionellen Bericht. Docx Dateien bis 50MB werden akzeptiert. 

Es dauert maximal 24 Std, bei mir waren es 8, ich habe den Entwurf des Manuskript eines neuen Romans prüfen lassen, 312 Normseiten. Es kam eine Excel-Datei mit 3 Spalten : „Text“, „Rewritten Text“ und „Notes“. Diese Datei ist sehr effizient aufgebaut, minimale Zeilenhöhe, das bedeutet aber, man muss jede Zele aufklappen, um sie zu sehen. Mühsam kann ich sagen. Ich habe die Sparten Rewritten Text und Notes zusammen mit der Nummerierung kopiert und in zwei Word-Dokumenten nebeneinander geöffnet. Dann noch mein Original Manuskript daneben. Das füllte den Monitor, aber man kann ziemlich bequem prüfen und ggf übernehmen, was die KI namens AILA vorschlägt. Bei mir waren es 783 Einträge. Bevor ihr glaubt, dass ich eine Fehlermaschine bin … davon muss man abziehen, dass mehr als jeder zweite Eintrag das Monieren der französischen Anführungszeichen war. (Was ich ehrlich gesagt nicht verstehe). Dann noch bewusst von mir gesetzte Bindestriche in der wiederkehrenden Ortsangabe der Szene, die er in Gedankenstricheändern wollte (2×80). 
Damit bin ich in der übliche Größenordnung eines Lektors bei mir (Meine Lektorin im Gmeiner Verlag hat mir beim „Alchemisten von Venedig knapp 300 Änderungen geschickt (1 pro Seite).
Bei den Notes habe ich mich ansonsten über die Akribie gewundert, es wird aber auch jeder Tippfehler gefunden, es werden hilfreiche Bemerkungen zu Grammatik, Stil, Flüssigkeit der Schreibe, Absatznutzung u.a. gemacht. Mit den meisten (außer den bereits angemerkten), über 90%, konnte ich etwas anfangen, sie waren aus meiner Sicht richtig/hilfreich. Was die KI nicht sieht, sind unschöne Dinge, wie zu viele wiederholte Satzanfänge nacheinander (Er  .., Sie … , Ich …). Zwei sind allgemein akzeptiert, aber bei dreimal ‚Er ‚… nacheinander meckern die menschlichen Lektoren.  Ich habe zwei solche drin gehabt, dazu hat die KI nichts gesagt. Und noch etwas, was die KI nicht kann, aber ein menschlicher Lektor: Feststellungen treffen, wie z.B. „Dieser Zwist zwischen den Familien, den erklärst du im Text nicht tief genug, es wird nicht klar, weswegen die Familien eigentlich verfeindet sind.“ Ich habe die Passatge noch einmal gelesen und musste zustimmen. Was heißt das? KI ist ein Sprachmodell, ein Programm, und versteht offensichtlich nicht gänzlich, was es da eigentlich bearbeitet.

Insgesamt würde ich das Programm in der Korrektur-Funktion als sehr gut bewerten, als Lektor maximal ausreichend, weil z.B. keinerlei Aussagen zum Plot erfolgen, was ein menschlicher Lektor immer tut. Niemand ist so perfekt, dass es nichts zu glätten oder verfeinern gibt. Aber was war zu erwarten? Alles, was nach einfach zu operationalisierenden regeln geprüft werden kann, kann die KI auch, und das serh schnell. Wenn es in die Tiefe, ins Vertsändnis geht, dann hakt es noch gewaltig. Deswegn kann die KI vermutlich auch noch keine guten Romane schreiben. Gut so, ich mlöchte nicht aufhören müssen …

Euch eine gute Zeit.

Herzlich euer Anton

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Autor:

Der Autor hat bisher zwei Verlagsverträge, einen für den Thriller "Kopfsturm" (2022 im Südwestbuch-Verlag), einen für einen historischen Roman, der im Juli 2023 im Gmeiner-Verlag erschienen ist: "Der Alchemist von Venedig". Läuft …