Hallo, Freundinnen und Freunde,
ich hatte vot lurzem schon einen Bericht verfasst über gemischte Erfahrungen mit einem KI-Lektorat. Mein aktuelles Projekt „Hüte dich vor dem fünften P!“ liegt mir sehr am Herzen. Ich will den Roman bald herausbringen und bin überzeugt, er ist gut und es ist wenig daran auszusetzen. Ich habe ihn von „Co-Autor“ lektorieren lassen und dachte, die KI wird mir das bestätigen. Aber … doch dazu später, Zuerst die interessante Vorgehensweise des Programms: Es generiert zwei künstliche Testleser passend zum Genre. Für meinen historischen Roman eine gern emotional mitgehende weibliche Leserin und einen ziemlich rationalen männlichen Leser. Die lesen und kommentieren unmittelbar ihre Eindrücke. Der „Lektor“ wertet diese Berichte aus und fällt ein abschließendes Urteil. Man kann die Testleer verfolgen, wie sie am Text hängen oder gelangweilt weiterblättern, wie der Drang zum Weiterlesen steigt oder fällt usw. Jede Bemerkung wird festgehalten und belegt. U.a. wird auch geprüft, inwieweit im Roman angerissene Fragen beantwortet werden. Der Leser/die Leserin will schließlich alle Fragen beantwortet und alle Probleme am Schluss gelöst haben.
Der Lektor fasst sein Urteil in einem Brief an den Autor zusammen und man bekommt diesen und eine weiterverarbeitbare kommentierte Word-Datei als Ergebnis.
Und – ja, man glaubt es kaum 🙂 Die KI hat tatsächlich noch kleinere Fehler (u.a. Zeitangaben) und eine Schwäche im Roman gefunden. Mein Epilog ist noch zu lang und gehört in den Roman. Da hat die KI recht, wie ich zugestehe. Außerdem wird zu viel Betonung meinerseits von in den Augen der KI „Nebensächlichkeiten“ bemängelt. Das sehe ich aber nicht als Mangel, denn das Programm macht natürlich Annahmen, was ein Leser von historischen Romanen erwartet. Meine Grundnnahme ist aber, für Leser historischer Romane ist die historische Welt mindestens gleichrangig und möglicherweise sogar wichtiger als die Handlung. Die bisher vorliegenden empirischen Daten sprechen für diese These, dass das Eindringen in die historische Welt der wichtigste Alleinstellungsfaktor des Genres ist. Das Lektoratsprogarmm hat meinen Roman stark unter der anderen Sicht – für den allgemeinen Romanmarkt ist die Handlung wichtiger als die historische Welt – betrachtet. Co-Autor monierte mehrfach bei mir zu viel Beschreibung des Alltagslebens, der historischen Abläufe und der Gegebenheiten der Zeit etc. zu Lasten der Handlung. Nun, ich kann damit leben. (s.o.) Aber so eine Annahme kann man treffen, auch der menschliche Lektor hat eine auf Erfahrung gestützte Sicht auf das Schreiben. Mit dem menschlichen Lektor kann man natürlich diskutieren, mit der KI (noch) nicht.
Nicht einverstanden war ich mit Kritik der KI an meiner Art, Erzählperspektiven zu nutzen. Ich schreibe gern in Ich-Form, wobei der Protagonist/die Protagonistin folglich als das „Ich“ erzählt. Alle anderen Personen im Roman erzählen aus ihrer Perspektive, ein durchaus erlaubter Kunstgriff, auch deshalb, weil ein nur vom Ich-Erzähler erlebter Roman kompliziert mit Ereignissen außerhalb seiner Perspektive umgehen muss. So wie ich es mache, ist es einfacher, und die Leser/Leserinnen scheint es nicht zu stören. Einige Rezensenten heben es sogar als positiv hervor. Es zeigt aber auch deutlich, dass die KI von einem Idealmodell eines gut geschriebenen Romans ausgeht/ausgehen muss, mit dem man als Autor nicht immer konform gehen muss.
Aber insgesamt muss ich feststellen, dass diese Lektorat von co-autor.com um Klassen besser ist als das beim letzten Mal getestete Produkt. Die Anmerkungen waren überwiegend hilfreich und nachvollziehbar. U.a. empfahl das Programm sogar, eine Figur X müsse in Szene Y das und das tun, damit Szene Z plausibler, effektiver wird. Und es stimmte, Das hatte ich nicht erwartet. Die KI hat meinen Roman tatsächlich durch und durch verstanden. Besser als manchmal ein menschlicher Lektor. Beeindruckend, denn z.B. bei meinem Roman hieß das, bei jedem geprüften Satz insgesamt 8000 Sätze im Blick zu behalten. Eine Aufgabe, die ein menschlicher Lektor auch zu erfüllen hat. Und das hat die KI ganz offensichtlich gut im Griff.
Co-Autor kann ich folglich empfehlen. Der Preis ist abhängig vom Textvolumen, ich habe für 270 Normseiten Lektorat 210€ (mit 50% Neukundenrabatt) bezahlt, das ist mehr als preiswert gegen ca. 6€/Seite für einen menschlichen lektor. Und es hat nur 4 Std gedauert.
Ich hoffe, mein 2. Erfahrungsbericht über KI als Lektor kann jemandem weiterhelfen.
Euch eine gute Zeit.
Herzlich, euer Anto
